Körperbewusstsein

Wenn wir uns zum Beispiel Menschen in Lateinamerika, Asien oder Afrika anschauen, können wir immer wieder feststellen, wie anders sie sich bewegen: ungezwungener, lockerer, selbstbewusster, entspannter; es scheint, dass sie einem natürlichen inneren Rhythmus folgen – sie sind in ihrem Körper zu Hause.

Im Gegenzug macht es den Anschein, dass sich in unserer westlichen Welt nur wenige Menschen ganz wohl in ihrer Haut fühlen; die natürliche Anmut der Bewegung scheint „verloren“ gegangen zu sein.

Als Kleinkind beschäftigen wir uns nicht mit Fragen ob wir mit unserem Körper verbunden sind oder nicht; oder ob wir gut aussehen, zu dick, zu unbeweglich oder zu klein sind. Wir sind mit unserem Körper eine Einheit und fühlen uns in unserem Körper wohl. Wir nehmen viele Eindrücke auf, leben in unserem ursprünglichen Rhythmus und mit unserer natürlichen Empfindungsfähigkeit frei von Urteilen und Erwartungen.

Mit dem erwachsen werden geht meist viel von der natürlichen Aufnahmefähigkeit und Empfindungsfähigkeit verloren. Wir entfernen uns immer mehr von unserem physischen Selbst; unser Gefühl mit unserem eigenen Körper verbunden zu sein geht zunehmend verloren.

Oft gehen wir über unsere Grenzen hinweg, obwohl unser Körper signalisiert, dass Ruhe und Erholung nötig wäre. Auch in scheinbar banalen Situationen fällt es uns oft schwer auf die Sprache unseres Körpers zu hören, wenn es zum Bespiel darum geht eine Entscheidung zu treffen oder in alltäglichen Situationen („ich hatte einen Druck in der Magengegend“, „ mir war als ob mir was im Nacken sitzt“).

Neben unseren Grenzüberschreitungen steht die Wahrnehmung unseres emotionalen Selbstausdrucks auf der körperlichen Ebene. Durch die Abspaltung unseres Körperbewusstseins fehlt uns oft der Zugang sowie die Fähigkeit tiefe Emotionen von Freude und Glück auszuleben (und auszuhalten), die sich zum Bespiel durch die Ausschüttung von Hormonen auf unserer körperlichen Ebene erfahrbar macht („ich könnte platzen vor Freude“; „ich könnte abheben vor lauter Glück“).

In dem wir uns mit unserer körperlichen Ebene auseinandersetzten lernen wir wieder auf unseren Körper zu vertrauen. Unser zunehmendes Körperbewusstsein bringt uns unsere ursprüngliche Harmonie zurück und ermöglicht, dass Geist und Körper gleichberechtigt und harmonisch agieren können.

Je mehr wir die Botschaften unseres Körpers verstehen sowie annehmen lernen und unseren Körper bewusster wahrnehmen, wird unser Gefühl von Ganzheit deutlicher spürbar. Wir nähren damit unser Selbstbewusstsein (sich seiner Selbst bewusst zu sein) und durch einen guten Kontakt zu uns selbst schenken wir uns mehr Freude, Harmonie und Gesundheit.

 

Text: © Stephanie Fritz / 28.07,2009